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Dreißig lange Jahre hat es gedauert, bis wir uns entschlossen haben, meine Verwandten in Frankreich wieder zu besuchen. Die lange Fahrt hat uns immer abgeschreckt, sind doch rund tausend Kilometer in einer Richtung zu überwinden. Im Nachhinein betrachtet war alles halb so schlimm, nicht zuletzt weil wir immer einmal übernachtet haben.

Tag 1 - Los ging's am Samstag, dem 31. Juli. Geplant war um sieben Uhr zu starten, zwei Stunden später um neun Uhr war dann wirklich Abfahrt und zur Bank mussten wir auch noch. Das ist bei uns immer so, aber wir haben uns fix vorgenommen keinen Stress aufkommen zu lassen. Für die erste Etappe wurden rund vier bis fünf Stunden eingeplant. Es ging nach Brescia, wo wir dann auch gegen 13:00 Uhr ankamen. Von der Autobahn bis zum Hotel waren es nur 15 Minuten. Wir konnten zwar das Auto gleich im Innenhof des Hotels parken aber erst um 14:00 einchecken. Alles kein Problem, denn die Wartezeit wurde mit einem Mittagessen in der Innenstadt überbrückt.

Das Hotel, ein Vierkanthof mit allen Zimmern nach innen, ist die ehemalige Residenz von Papst Paul VI und das sieht man auch. Es gibt sogar eine eigene Kapelle im Hof - und was für eine. Ich glaube, ich habe mehr Fotos im Hotel als in Brescia gemacht. Am Abend haben wir uns dann die Stadt angesehen. Viel Geschichte und viel Historie! Wir waren auf der Burg und im Dom, sind aber dann recht früh wieder ins Hotel, um für die zweite Etappe fit zu sein.

Tag 2 - Zuerst einmal zum Frühstück. Das Personal war super freundlich und auch der Pfarrer von der Hotelkirche hat sich das reichhaltige Buffet nicht entgehen lassen. Bei Kaffee und Semmel besprachen wir das nächste Etappenziel. Es sollte Menton oder Monte Carlo sein. Wir entschieden uns für das "volle Programm" in Monte Carlo. Check-Out, Navi ein und ruck zuck waren wir wieder auf der Autobahn. Wir hatten wenig Verkehr weil Sonntag war und keine LKWs fuhren aber die Strecke bis zum Meer war lange. Also starteten wir das Hörbuch, das ich für die Reise besorgt habe. Es war ein entspanntes Dahingleiten bis einige Kilometer vor Genua, wo sich die Autobahn in eine extrem kurvenreiche Stecke wandelt. Teilweise waren nicht mehr als 60 km/h drin. Immer Richtung Ventimiglia orientiert, präsentierte sich plötzlich das azurblaue Meer an der italienischen Riviera. Es waren noch einige Kilometer bis zu unserem Kaffee in Monaco, aber die Landschaft war wunderschön und die Fahrt kurzweilig. Nach der französischen Grenze kommt gleich Menton, das wir uns für das nächste Mal aufgehoben haben, und wenig später Monaco. Nach der Autobahnabfahrt bin ich gleich über den ersten Kreisverkehr Richtung Monte Carlo gezischt, musste aber nach wenigen Metern wieder umdrehen, denn die Aussicht am Kreisverkehr war überwältigend. Nachdem alle Fotos im Kasten waren, tastete ich mich durch die Stadt auf der Suche nach einem Parkplatz. Im Tunnel, wo auch die Rennautos durchbrausen ging es noch eine Etage tiefer in eine Garage. Besser kann man es gar nicht erwischen, waren wir doch zwischen Hafen und Casino gelandet. 
Zuerst trieben wir uns am Yachthafen herum. Der Reichtum in Monte Carlo ist immer spürbar und es ist fast schon irgendwie unangenehm, aber da muss man durch. Außerdem wird an jeder Ecke gebaut, auch ins Meer hinaus. Investment zahlt sich dort wohl aus. Durch den Tunnel ging's dann über die berühmte Haarnadelkurve der Rennstrecke zum Casino hinauf. Ein unglaublich luxuriöses Gebäude. Nach ein paar Fotos haben wir uns einen Kaffee im "Café de Paris" am "Place du Casino" genehmigt und beobachteten das Kommen und Gehen der Rolls Royce, Bentleys, Ferraris, Lamborghinis, AMGs und so weiter. Ich hätte dort Stunden verbringen können aber wir mussten ja auch noch ins Casino rein. Da drinnen schaut es schon ganz nett aus aber es war Zeit Abschied zu nehmen. Die Parkkosten für meinen Renault Clio zwischen den Supersportwagen und Luxuslimousinen waren moderat. Außerdem ist mir aufgefallen, dass man in dem Stadtstaat mit einem tiefergelegten Flitzer nicht viel herumfahren kann, weil die Straßen super eng und voller Tempobremsen sind. Wir haben es aber schnell wieder zur Autobahn Richtung Nizza geschafft. Rund eine Stunde lang gab es immer wieder wunderschöne Blicke auf die "Côte d’Azur" und wir waren richtig glücklich dort zu sein. Dann noch eine Strecke im Landesinneren bis Toulon, wo wir uns in den Stadtverkehr einreihten und uns dann Richtung La Seyne verabschiedeten. Bald hatten wir unser Hotel Mercure am Hafen im Blick und nach dem Check-In freuten wir uns über ein großes, schönes, modernes Zimmer. Gleich nach der Ankunft habe ich meine Tante Anne-Marie angerufen, dass wir angekommen sind, und schwupp waren wir auch schon zum Essen eingeladen. Also nach der Dusche erstmal ab ins Auto, Navi ein und los. Wir waren im Land der Autofahrer und der Renault Clios! Jedes fünfte Auto war ein Clio! 
Ich war super glücklich, alle wieder zu sehen! Der Abend dauerte lange und wir fielen ziemlich erschöpft, erschlagen von den vielen Eindrücken ins Hotelbett. 

Tag 3 - Aus nostalgischen Gründen haben wir heute einen Ausflug nach "Le Castellet" geplant, weil wir dort schon vor vielen Jahren waren. Am Vormittag ging's zum Strand "Les Sablettes" um etwas für den Teint zu tun. Es war sehr angenehm obwohl das Wasser eiskalt, durch den ständig starken Wind war. Nachmittags haben wir uns dann wieder mit unseren Verwandten bei Anne-Marie in Six Fours getroffen. Außer Alexandra hat sich niemand bereit erklärt, uns nach "Le Castellet" zu begleiten. Die wussten schon warum, denn es war extrem touristisch dort. Wir standen im Stau vor dem Parkplatz, aber dann in dem kleinen idyllischen Ort mit den vielen traditionellen Shops war es dann sehr angenehm. Auch auf der Terrasse vom Gasthaus haben wir gleich einen Sitzplatz bekommen. Nach Hause ging's dann durch den Feierabendverkehr. Eine ziemliche Herausforderung für mich als Nicht-Autofahrer! Abendessen wieder bei Anne-Marie und dann noch ein Spaziergang durch La Seyne.

Tag 4 / 1 - Geplant war am Dienstag eigentlich nur der Besuch bei Karine und Fred am Nachmittag. Nach dem Frühstück entschlossen wir uns spontan, ein wenig die Gegend zu erkunden. Wir spazierten Richtung "Les Sablettes" am Hafen von La Seyne vorbei. Schnell wurde es recht heiß und die Gegend beim Hafen war jetzt nicht so top, aber es gibt dort coole "lost places". Wenn man dürfte, wäre ich schon mit der Drohne in eine aufgelassene Fabrikhalle hineingeflogen. Ein Kurve weiter präsentierte sich dann die Bucht von Tamaris bei La Seyne und das ist dann Südfrankreich wie man es sich vorstellt: Alte Villen, blaues Meer, kleine Boote und Fischer mit Zigarette. Am Ende der Bucht befindet sich das Fort Balaguier das ich gleich aus der Luft ablichten wollte. Leider auch dort Flugverbot. Bald haben wir uns entschieden, mit dem Bus zurück zu fahren, weil wir sonst den gleichen Weg in der Hitze zurückgehen müssten. Ein paar hundert Meter weiter kamen wir zu einer Schiffsanlegestelle, wo schon einige Leute warteten. Schnell hatte ich den Überblick und entschieden, dass wir da mitfahren. Es gab nicht viele Linien und diese führte nach Toulon. Sissi war noch unsicher, aber der freundliche Matrose ließ mit energischem "vas-y,  vas-y" keine Wahl. Warum den Bus nehmen wenn man den "Bateau bus" haben kann. Wir standen hinten an der Reling, der Fahrtwind war angenehm kühl und die Einfahrt in den Hafen von Toulon mit den riesigen Schiffen sehr imposant. In Toulon haben wir uns zuerst einmal ein Café besucht. Klar, dass ich "Menthe a l'eau" bestellte. Alles war so typisch französisch wie ich es als Kind oft erlebt hatte. Es war richtig schön! Weiter ging es durch die Gassen von Toulon, nicht zu viele Leute und keine Touristen. Wir blieben dann an einem Platz hängen, wo junge Leute eine Art mobiles Restaurant für Fisch und Meeresfrüchte aufbauten. Bunte Tische wurden mit bunten Klappstühlen und bunten Servietten bestückt. Die Speisekarte auf der Schultafel hat uns dann zum Mittagessen überredet. Aber wir waren etwas zu früh, den vor 12 Uhr durfte man dort nicht Platz nehmen. Aber zur "Bar" (mit Rollen, selbstgebaut) durften wir uns schon setzen und ein Glas Weißwein genießen. Andere Getränke gab es nur vom Lebensmittelshop nebenan. Schnell füllte sich die Theke und auch die vielen Tische. Wir hatten einen der besten Plätze, dort wo die Austern geöffnet, der frische Fisch gegrillt und der Wein ausgeschenkt wurde. Die jungen Köche und Kellner und der Chef haben sich ständig gegenseitig angeschrien und dann wieder mit dem Weißwein angestoßen. Top Essen und super Show. Aber wir mussten zurück nach La Seyne.

Tag 4 / 2 - Die Fahrt mit dem Bateau Bus von Toulon nach La Seyne war wieder super angenehm und wieder sehr beeindruckend. Viel Zeit war nicht mehr, denn wir mussten zu Karine, die in den Bergen wohnt. Naja, die Berge sind dort nicht so hoch, aber es ging über Serpentinenstraßen ein bisschen ins Hinterland. Karine und Fred haben ein tolles Haus mit riesigem Grund, Pool und Hühnern. Es war ein kleiner Spaziergang zur Burgruine und dann zurück in den kleinen Ort geplant. Alles fühlt sich dort noch total ursprünglich an als ob die Zeit stehen geblieben ist. Auch die kleine Schule mit den zwei Klassen, die Karines Kinder besucht haben, hat mir sehr gefallen. Dann war da noch die Kirche mit Bahnhofsuhr und der Pfarrer mit den Kirchgängerinnen im kleinen Gasthaus, wo wir auch einkehrten. Am Abend hat uns dann Karine in ihrer Outdoor-Küche ein feines Abendessen zubereitet. Es war ein wunderbarer Abend, wieder im Stil der südlichen Entspanntheit und wir kamen erst spät zurück nach La Seyne.

Tag 5 - Heute hätten wir mit Alexandra eine kleine Wanderung nach "Le Mai", einer kleinen Kirche an der Südspitze von der Halbinsel Six Fours / La Seyne geplant, aber aufgrund der extremen Waldbrandgefahr waren alle Wanderwege in der Region gesperrt. So haben wir das alles abgesagt und sind in den Ort zum Einkaufen gegangen. Viel gibt's ja nicht in La Seyne aber die 1,5 Liter Flasche Pfefferminzsirup im Supermarkt war mit knapp drei Euros gefühlt günstig. Also mein Souvenir hatte ich gefunden. Sissi hat dann was im lokalen Blumengeschäft für Anne-Marie besorgt und auch gekauft, war aber recht unzufrieden damit. Aber gut. Das Wetter war der Stimmung entsprechend regnerisch weil unser letzter Tag in Frankreich angebrochen war. Aber die Sonne hat sich bald wieder gezeigt und so sind wir noch nach Sanary gefahren um uns den idyllischen Fischerort anzusehen. Die Stimmung am Meer nach dem Regen war wunderschön und es waren auch schon sehr viele Leute dort. Wir besuchten die Kirche, holten uns kleine Kuchen und spazierten durch die Gassen bevor wir uns zum Abendessen in Anne-Marie's Haus losfuhren. Außerdem hat Sissi dort noch ein passenderes Geschenk gefunden. Die Bewirtung war wieder ausgezeichnet und die Zeit verging schnell und es war an der Zeit Abschied zu nehmen, denn morgen ging es wieder zurück.

Tag 6 - Ich glaube wir sind früh aufgestanden, aber wann genau weiß ich leider nicht mehr. Ein letztes Mal frühstücken im Hotel Mercure. Also das Hotel ist echt super! Der Checkout war schnell erledigt und ab ging's Richtung Autobahn. Wir hatten einen langen Weg bis Sirmione am Gardasee vor uns. Das Wetter war super angenehm und die ersten Kilometer entlang der Küste sehr kurzweilig, aber zu schnell mussten wir uns bei Genua vom Meer verabschieden und fuhren ins Landesinnere. Lange hat's nicht gedauert und wir griffen wieder zum Hörbuch um die Fahrt zu verkürzen. Geklappt hat das nicht und so waren wir froh als wir die Autobahn verließen mit der Vorfreude auf einen Badenachmittag am Pool. Aber der Weg zum Hotel stellte sich dann doch als etwas tückisch heraus. An der Einfahrt zur Altstadt mussten wir unsere Reservierung vorweisen. Dann etwa 10 Minuten Wartezeit an der Ampel. Die Fahrt ging durch die engsten Gassen, die von hunderten Touristen belagert waren und immer wieder rote Ampeln, damit auch der Gegenverkehr weiter kam. Beim Hotel angekommen ging alles ganz schnell, sodass sich noch ein paar Stunden Sonnenbaden ausgingen. Am Abend sind wir dann ein bisschen durch den Ort spaziert und haben uns ein Restaurant für's Abendessen gesucht. Sirmione ist sehr schön am Abend, aber touristisch total überlaufen. Noch einmal würde ich hier nicht Halt machen.

Tag 7 - Frühstück im Hotel. Wieder so ein Coronafrühstücksbuffet wo du selbst nicht nehmen darfst und immer sagen musst, "Bitte das, das und das und ein bisschen das. Nein danke, das nicht und das auch nicht." Den Vormittag verbrachten wir dann noch am Pool um ein letztes Mal die italienische Sonne zu genießen. Ich bin noch einmal mit der Kamera in den Ort spaziert, in der Hoffnung, dass etwas weniger Leute unterwegs sind. Leider hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Ich glaube es waren sogar noch mehr Touristen als am Abend unterwegs. Zu Mittag haben wir dann die letzte Etappe in Angriff genommen und am Nachmittag waren wir dann zu Hause. Es war ein toller Urlaub mit unzähligen Eindrücken und Erlebnissen. Ich würde das sofort ganz genau wieder so machen.

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